Der totale ├ťberwachungsstaat oder Das Leben der Anderen

28. November 2017 | Von | Kategorie: Jahrgangsstufe 9/10, Lesenswertes, Oberstufe
DDR-Widerstandsk├Ąmpfer Karsten D├╝mmel zu Gast an unserer Schule gegen Rassismus und f├╝r Courage

Am 22. November 2017 erz├Ąhlte Karsten D├╝mmel im brechend vollen Theatersaal der GemS Brachenfeld von seiner Lebensgeschichte. Er war zum zweiten Mal an der Gemeinschaftsschule Neum├╝nster-Brachenfeld und stand den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern des 10. Und 11. Jahrgangs unserer Schule im Theatersaal nach seinem Vortrag f├╝r zahlreiche Fragen und anschlie├čende Gespr├Ąche zur Verf├╝gung. Er erz├Ąhlte aus seiner anhand seiner eigenen Biographie, was ihm in der ehemaligen DDR passiert war. Die Fachschaft Weltkunde, das Projekt Schule gegen Rassismus und f├╝r Zivilcourage und das Profil Wirtschaft / Politik hatten ihn an die GemS geholt. Begr├╝├čt wurde der DDR-Widerstandsk├Ąmpfer von Frau Boyens von der Schulleitung und Lehrer und Fachleiter Herr Klotzb├╝cher, der die Veranstaltung mit Frau Vos ma├čgeblich organisiert hatte.

D├╝mmel ist derzeit in Bosnien-Herzegowina im gesellschaftspolitischen Bereich aktiv, zuvor war er im Senegal t├Ątig. Im Vortrag sprach D├╝mmel ├╝ber die Staatssicherheit, die Stasi, in der ehemaligen DDR. Der Geheimdienst der DDR ├╝berwachte D├╝mmel sein ganzes Leben lang, es wurde stapelweise Aktenmaterial ├╝ber ihn gesammelt. Die Anderen, wie systemkritische Menschen oder nicht ideologiekonforme Menschen (z.B. Christen, Kriegsdienstverweigerer/Bausoldaten, Umwelt-aktivistenÔÇŽ), wurden erstmals von der Stast als andere Menschen festgelegt, total ├╝berwacht und bespitzelt. Ein fl├Ąchendeckendes System an Beobachtern, auch aus dem engsten Bekanntenkreis von D├╝mmel, wurde geschaffen, um Andersdenkende wie D├╝mmel zu ├╝berwachen. In der christlichen Jugendbewegung und der Umweltbewegung aktiv, vor allem in der kirchlichen Jugendarbeit mit verschiedenen Arbeitskreisen von der Geraer Kirchengemeinde St. Lusan, wurde er als Systemgegner behandelt, musste in der Nachtreinigung von Z├╝gen Zwangsarbeit ableisten. Er durfte kein Abitur machen und nicht studieren. Was hatte D├╝mmel gemacht? Er hatte christliche Jugendmusik in einer Punkband gemacht und diese spielte eigene Lieder, die von der Stasi als verbotene Musik eingestuft wurde. Davon spielte er den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern in seinem Vortrag immer wieder die von der Stasi verbotene Musik vor.

Dabei blieb es jedoch nicht. Die Stasi erfand dann ein System, wie es politische Gegner, die ÔÇ×AnderenÔÇť fertig machen konnte: Zersetzung, das hei├čt L├╝gen ├╝ber die Anderen verbreiten, psychologisch geschulte Menschen dachten sich Methoden aus, um einen Menschen systematisch zu zerst├Âren. Im Anschluss daran stand D├╝mmel f├╝r die zahlreichen Fragen der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler zur Verf├╝gung. Das Besondere daran ist sicherlich, so auch viele Sch├╝ler in der Diskussion, dass dies an seinem pers├Ânlichen Beispiel viel eindr├╝cklicher wirkt. Er erz├Ąhlt von Ereignissen, die f├╝r den Zuh├Ârer und kritischen Betrachter des DDR-Systems unfassbar klingen, dass Menschen anderen Menschen solche Dinge antun konnten.

Verrat aus dem engsten Bekanntenkreis und Bespitzelung durch enge Freunde, das hat D├╝mmel erst erfahren, nachdem er in der Stasi-Unterlagenbeh├Ârde, der Gauck-Beh├Ârde und sp├Ąter der Birthler-Beh├Ârde, seine Stasi-Akten einsehen und durcharbeiten konnte. Es gab ein ausgekl├╝geltes System an verschiedenen Stasi-Akten und Beobachtungsvorg├Ąngen, wie Menschen professionell rund um die Uhr beobachtet wurde: In einer Kerblochkennkartei wurden alle Daten ├╝ber D├╝mmel gesammelt, welche Religion, welche Hobbies, alles ├╝ber seine Familie und intimste Details. Detaillierte Beobachtungsprotokolle, ordnerweise fand er, in denen peinlich genau festgeschrieben stand, wann er was gemacht hatte.

Diese Veranstaltung steht in einer Reihe der Zeitzeugengespr├Ąche, die an der GemS Brachenfeld lange Tradition im WiPo-Profil haben und seit Langem an der GemS Brachenfeld gemacht werden.

Duemmel

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