Becher-Sport als KonzentrationsĂŒbung

11. April 2016 | Von | Kategorie: Jahrgangsstufe 7/8
Felix Zarbock (14) ist Weltmeister an den Bechern. Das erste Becherset bekam der Tungendorfer von seiner Nachhilfelehrerin geschenkt.

weltmeister_zarbockDie deutsche Übersetzung „Becher stapeln“ findet Felix Zarbock nicht ganz treffend. Und der 14-jĂ€hrige Tungendorfer muss es schließlich wissen, denn er ist Weltmeister im „Sport Stacking“ (der Courier berichtete). Bei dieser aus den USA stammenden Sportart geht es darum, Becher in möglichst kurzer Zeit zu bestimmten Pyramidenformationen auf- und wieder abzustapeln.

Die speziellen Becher haben keinen Boden oder sind dort stark perforiert. Das ist wichtig, denn sonst wĂŒrden sie durch die Reibung aneinander haften. Zum Sport gehören noch eine Matte, damit es nicht so klappert, und ein so genannter Timer. Das ist ein Zeitmesser, der sogar Tausendstelsekunden erfasst.

Der Wettkampf auf einem Turnier wie jetzt der Weltmeisterschaft im bayerischen Speichersdorf wird gestartet, indem der Spieler beide HĂ€nde auf die KontaktflĂ€che des Timers legt. „HĂ€nde hoch, Becher stapeln, HĂ€nde auf den Timer – fertig“, sagt Felix. In der lĂ€ngsten Kombination, dem sogenannten Cycle (Kreis), benötigt man fĂŒr die sechs Pyramiden etwa 40 Handgriffe. „Und wenn man gut ist, dauert das nur fĂŒnf Sekunden“, sagt Felix.

Kein Wunder, dass die WettkĂ€mpfe mit Hochgeschwindigkeitskameras aufgezeichnet und kontrolliert werden, denn das bloße Auge kommt bei diesem Tempo nicht mit. Schließlich mĂŒssen die Figuren stimmen, und kein Becher darf umfallen. „Ich mache zuerst immer einen Sicherheitsversuch. Wenn das klappt, gehe ich auf Risiko“, nennt Felix seine Wettkampftaktik.

Seit drei Jahren betreibt er seinen Sport. Den Impuls dafĂŒr gab sein Naturkundelehrer Andreas Reischuck an der Gemeinschaftsschule Brachenfeld. „Mein erstes Becherset habe ich von meiner Nachhilfelehrerin geschenkt bekommen. Ich habe eine Lese-Rechtschreibe-SchwĂ€che, und diese KonzentrationsĂŒbung Sport Stacking hilft ungemein. Ich habe jetzt eine 2 in Deutsch, in der Grundschule war es eine 4“, sagt Felix Zarbock, der nicht ganz zufĂ€llig auch ein Fan vom ZauberwĂŒrfel ist.

Seit eineinhalb Jahren ist Felix auch Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Speichersdorf war bereits die zweite WM fĂŒr Felix, der vor zwei Jahren bei nationalen TitelkĂ€mpfen sein erstes Turnier bestritt und gleich einen Titel holte. Felix ist ein Naturtalent. „Wenn ich Zeit genug habe, wie zuletzt in den Osterferien, trainiere ich ein bis drei Stunden tĂ€glich, sonst etwa eine halbe Stunde pro Tag. Freitags lĂ€nger, denn dann wird im Verein trainiert“, sagt Felix.

Der Verein, das ist das Sport Stacking Team Quickborn. „Leider gibt es in NeumĂŒnster keinen Verein“, sagt Felix’ Vater Jens Zarbock, der sich als Teammanager des Vereins engagiert. Auch die Mutter Gabi und die Schwester Juliane (16) unterstĂŒtzten Felix und fiebern bei seinen WettkĂ€mpfen mit. Das gemeinsame Training ist wichtig. „Das fördert den Teamgeist. Außerdem gibt es ja auch noch das Doppel und die Staffelwettbewerbe“, sagt Felix.

Die Sport-AusrĂŒstung ist erschwinglich. Ein Bechersatz kostet etwa 20 bis 25 Euro, die Matte 15 Euro, ein Timer 35 Euro. Teurer mit rund 125 Euro ist ein Display, das die Zeit auch anzeigt. Insofern hat Felix schon ein kleines Vermögen angehĂ€uft, denn in seinem Zimmer stapeln sich etwa 100 BechersĂ€tze.

Nicht kaufen, sondern verdienen muss man sich das Nationaltrikot. Durch den Trikottausch bei TitelkÀmpfen hat Felix inzwischen auch schon Trikots aus den USA, Neuseeland und Brasilien ergattern können.

 

Bild und Text: Rolf Ziehm

Quelle: http://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/becher-sport-als-konzentrationsuebung-id13225101.html

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